Ein virtueller Kreuzweg für die Fastenzeit – V. Station

V. Station: SUCHEN

(Das Original-Bild zu dieser Station hängt eine Woche in der Heilig-Kreuz-Kapelle in Knölling)

Ein Kompass als Instrument zur Bestimmung einer vorgegebenen Richtung. Er führt zu dem Ort, den man erreichen möchte.
Der Kompass als Symbol für das Suchen (und Finden) des richtigen Weges.
Ein Symbol für das Erreichen eines Ziels – als positiven Endzustand, den wir anstreben und erlangen wollen.

 

AUS DER HL. SCHRIFT | …WOHER KOMMST DU UND WOHIN GEHST DU?

Gen 16, 7-10 | Der Engel des Herrn fand sie an einer Wasserquelle in der Wüste, an der Quelle auf dem Weg nach Schur. Er sprach: Hagar, Sklavin Sarais, woher kommst du und wohin gehst du? Sie sagte: Vor Sarai, meiner Herrin, bin ich davongelaufen. Da sprach der Engel des Herrn zu ihr: Kehr zurück zu deiner Herrin und beuge dich unter ihre Hand! Der Engel des Herrn sprach zu ihr: Mehren, ja mehren werde ich deine Nachkommen, sodass man sie wegen ihrer Menge nicht mehr zählen kann.

Gen 1, 27 | Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn.

Ps 100, 3 | Erkennt: Der Herr alleine ist Gott. Er hat uns gemacht, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide.

Mt 7, 7-14 | Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch geöffnet! Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um ein Brot bittet, oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten.

Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten. Geht durch das enge Tor! Denn weit ist das Tor und breit der Weg, der ins Verderben führt, und es sind viele, die auf ihm gehen. Wie eng ist das Tor und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und es sind wenige, die ihn finden.

Koh 12, 13 | Hast du alles gehört, so lautet der Schluss: Fürchte Gott und achte auf seine Gebote! Das allein hat jeder Mensch nötig.

Jak 4,8 | Naht euch Gott, dann wird er sich euch nahen!

 

ZUM NACHDENKEN

Lebensziele

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Auch wenn wir praktisch immer „in diesem augenblicklichen Moment“ leben, sind wir doch sehr oft gedanklich in der Zukunft, indem wir uns vorstellen, wie unser Leben verlaufen soll. Wir schmieden Pläne und legen unsere persönlichen Lebensziele fest. Ziele, für die es sich lohnt sich anzustrengen und die unser Leben lebenswert machen. Wenn wir etwas geschafft haben, dann freuen wir uns; sind stolz und glücklich. In unseren Vorstellungen malen wir uns beispielsweise aus, wie schön es sein wird, im Traumberuf zu arbeiten, im eigenen Häuschen zu leben, oder mit dem langjährigen Partner eine Familie zu gründen.

Die Suche nach dem Sinn des Lebens

Doch was passiert, wenn uns bei der Verwirklichung unserer Pläne ein Strich durch die Rechnung gemacht wird? Wie geht es uns, wenn sich unsere Wünsche nicht erfüllen? Wenn wir beispielsweise unseren Beruf nicht mehr ausüben können, in finanzielle Nöte geraten oder plötzlich die langjährige Beziehung auseinandergeht? Jeder von uns hat mal schlechte Tage und erlebt Enttäuschungen, die mehr oder weniger schwerwiegend sind. Nicht selten treffen uns aber Schicksalsschläge, die uns komplett aus der Bahn werfen und unsere Träume zerplatzen lassen wie Seifenblasen. Das ist schwer zu verkraften und wir stellen uns vielleicht die Fragen: Was ist der Sinn meines Lebens? Warum bin ich hier? Was ist meine wahre Berufung und was will ich erreichen? Wofür lebe ich? Gibt es überhaupt den wirklichen Sinn des Lebens?
Wie könnten wir das alles ertragen, wenn es keinen wirklichen Sinn im Leben geben würde. Was müssen wir also tun, um den Sinn des Lebens zu finden?

Gottes Freunde werden

Wir müssen uns auf die Suche begeben! Suchen heißt – sich bemühen, etwas Verlorenes oder Verborgenes zu finden. Ist es nicht genauso mit unserem Glauben? Für die wenigsten von uns ist der Glaube ein ganzes Leben lang spürbar und selbstverständlich – immer wieder gibt es Situationen, die uns zweifeln lassen. Vor allem, wenn wir in Umstände geraten, in denen wir uns einsam und verlassen fühlen – dann fühlen wir uns „von Gott verlassen“.
Wir neigen dazu, die Verbindung zu Gott abbrechen zu lassen, weil wir nicht mehr glauben, dass er da ist. Wir denken, wir kommen alleine besser zurecht – doch tief in unserer Seele ahnen wir, dass uns etwas fehlt. Wir sehnen uns nach Vollkommenheit und inneren Frieden.

Fassen wir zusammen, was in der Bibel geschrieben steht, so kommen wir zu dem Ergebnis: Wir sollen Gott ernst nehmen und seine Gebote befolgen. Das ist alles, worauf es für uns Menschen ankommt. „Naht euch Gott, und er wird sich euch nahen“ – wenn wir so leben, wie er es für uns gedacht hat, dann werden wir ihm automatisch näherkommen und eine Freundschaft mit ihm aufbauen. Gottes Freunde werden, ein erfülltes Leben haben, das frei von Ängsten und Sorgen ist. Wenn Gottes Kraft in einem Menschenleben wirkt, dann wird es über kurz oder lang tiefgreifende Veränderungen geben. Menschen, die mit Gott gehen, werden ausgeglichen leben und ihr inneres Gleichgewicht wiederfinden. Sie werden erkennen, was wirklich wichtig ist im Leben und ihr Ziel, ein absolut erfülltes und sinnvolles Leben zu haben, erreichen. Sie werden Gottes Liebe und Nähe erleben.

Der Kompass ist in dir!

Um uns einem Ziel zu nähern, das uns weit weg erscheint, brauchen wir einen Wegweiser.
In unserer Gesellschaft wird uns täglich vorgegaukelt, dass dies und jenes für ein glückliches Leben wichtig sei. Wenn du aber immer nur damit beschäftigt bist, den Ansprüchen anderer gerecht zu werden, dann vergisst du dabei ganz dich selbst. Irgendwann weißt du selber nicht mehr so genau, was dir wichtig ist. Viele Menschen wissen nicht, welchen Weg sie einschlagen sollen, weil sie sich selbst gar nicht mehr kennen. Vielleicht bemühst du dich darum, immer gut auszusehen, ein schickes Auto fahren zu können, im Beruf die Karriereleiter aufwärts zu klettern, usw. – dabei bleiben Aktivitäten mit Familie und Freunden auf der Strecke und du findest keine Zeit mehr dich zu entspannen, die Natur zu genießen oder Neues zu lernen. Finde heraus, was du wirklich willst, um danach zu leben und deine Zeit erfüllend zu nutzen. Lerne, dein Leben achtsamer wahrzunehmen und dadurch bewusster zu gestalten! Deine Werte sind dein innerer Kompass; sie geben dir im Leben die Richtung vor!

Jesus steht ein drittes Mal auf

Der Weg, den Jesus mit dem Kreuz gehen muss, ist schwer und anstrengend. Er fällt ein drittes Mal zu Boden; seine letzten Kräfte sind von ihm gewichen. Doch Jesus gibt nicht auf; er will weitergehen um sein Ziel zu erreichen. Er will das Werk vollenden, das der Vater ihm aufgetragen hat. Es ist die Liebe zu den Menschen, die ihn wieder aufstehen lässt, um das Werk der Erlösung zu vollbringen. Jesus weiß, dass dieses Werk nicht auf Erden vollendet werden kann – deshalb muss er seinen Weg bis zu Ende gehen.

 


ZUM BETEN

9. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und preisen dich. / Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Der Herr ist zu Tode erschöpft und bricht zum dritten Mal unter der Last des Kreuzes zusammen. / Doch er will das Werk vollenden, das der Vater ihm aufgetragen hat. So rafft er sich mit letzter Kraft noch einmal auf. –

In den Staub gebeugt ist meine Seele. / Mein Leib ist zu Boden getreten. / Die Schuld der Menschen hat sich über mich gehäuft. / Sie drückt mich nieder wie eine schwere Last. / Stille

Auch wir sind noch nicht am Ziel; wir sind unterwegs, oft einsam und verlassen. Die Stunde, da alles umsonst scheint und uns der letzte Mut verlässt, kann auch für uns kommen / Herr Jesus, du bist ein drittes Mal unter der Last unserer Sünden zu Boden gestürzt und hast dich wieder aufgerafft. Wir bitten dich: / Erbarme dich über uns und über die ganze Welt

(Kreuzwegstation aus dem Gotteslob Nr. 934)